Unabhängige Studierende Leipzig

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Wer beim Studium in Leipzig versucht, sich für Belange einzusetzen, die nicht als “hip” gelten, merkt schnell, dass man sich nur in begrenztem Maße einbringen kann. So gibt es beispielsweise gleich mehrere Stellen, an die man sich im Hinblick auf Herausforderungen beim Studium mit Kind(ern) werden könnte. Wenn es dann darauf ankommt, kommt eine Antwort aber häufig spät oder überhaupt nicht, man wird vertröstet, oder die Stelle hält sich nicht für zuständig. Zudem finden Entscheidungen im Hochschulkontext, die Studierende betreffen, mitunter sehr intransparent statt. Relevante Informationen werden nach vielen Monaten oder überhaupt nicht veröffentlicht. Betroffene können den Eindruck gewinnen, die Hochschulautonomie solle dazu dienen, zu erproben, ob es auch undemokratischer geht als außerhalb der Hochschulblase.

Wenn interne Möglichkeiten erschöpft sind, bleibt dann nur noch der Weg über die Gerichte. Davon haben im Erfolgsfall alle Studierenden etwas, aber es kostet auch Zeit, Geld und Nerven. Engagierte Studierende stehen damit alleine da, denn anders als beispielsweise in Bonn gibt es an den Leipziger Hochschulen keinen Rechtshilfefonds.

Um die Situation zu verbessern, kann ab sofort gespendet werden. Die gesammelten Mittel sind für Rechtsverfolgungskosten (Kosten für Gericht und ggf. Rechtsanwältinnen oder Rechtsanwälte) bestimmt, die Ausgrenzung, Studium mit Kind(ern) oder Transparenz im Hochschulkontext betreffen. Wer die Mittel nutzt, verpflichtet sich, aus den geförderten Verfahren stammende Urteile, Beschlüsse oder Bescheide (ggf. mit geschwärzten personenbeziehbaren Daten) zur Verfügung zu stellen, damit alle etwas davon haben. Spenden sind derzeit in Bitcoin möglich:

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Sollte es zu überschüssigen Mitteln kommen, so würden diese an Vereine oder Organisationen gespendet, die sich mit einem oder mehreren der o.g. Ziele befassen.

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tl;dr: Noch bis zum 30. September in ein Bürgerbüro gehen und den Leipzig-Pass abholen, um Vorteile zu sichern.

Ein Schattendasein unter den Vergünstigungsmöglichkeiten für Leipziger Studierende führt der Leipzig-Pass. Das Studentenwerk, das die Studierenden eigentlich fördern sollte, weist darauf nur ziemlich versteckt in einem Ratgeber für das Studium mit Kind hin. Er richtet sich nicht nur an Studierende, sondern allgemein an Personen mit geringem Einkommen. Traut man den letzten Erhebungen des BMBF zu studentischen Einkommen, dürfte aber die Mehrheit in Leipzig einen Anspruch darauf haben.

Dass die Möglichkeit so schlecht beworben ist, ist keineswegs verdient, da die Vergünstigungen häufig vorteilhafter sind als die, die man allein aufgrund des Studierendenstatus bekommt.

Leider hat die Stadt Leipzig zuletzt entschieden, Studierende in Zukunft außen vor zu lassen. Während zuvor einfach anhand der Einkommenshöhe bestimmt wurde, ob ein Leipzig-Pass ausgestellt wird, ganz unabhängig davon, welcher Art das Einkommen ist und welche Sozialleistungen ggf. bezogen werden, ist der Anspruch ab Oktober 2024 in den meisten Fällen an bestimmte Sozialleistungen geknüpft. BAföG bleibt hier außen vor, und damit wohl auch ein großer Teil der Studierenden.

Interessant dabei ist die Begründung. Die Stadt wurde beauftragt, u.a. eine Wiedereinführung eines Anspruchs für BAföG-Berechtigte zu prüfen. Die abschlägige Entscheidung wurde begründet mit “personellem Mehraufwand”, “finanziellem Mehraufwand” und “ggf. Auswirkungen auf die Gesamtfinanzierung des Semestertickets”. Dabei verwundert bereits der vermeintliche personelle und finanzielle Mehraufwand, denn bis Anfang dieses Jahres war es für die Stadt noch völlig selbstverständlich, dass auch Studierende einen Leipzig-Pass haben können. Ein “BAföG- beziehungsweise Berufsausbildungsbescheid” war hier sogar ausdrücklich als möglicher Nachweis genannt, den man vorlegen kann. Wieso das, was jahrelang funktionierte, nun plötzlich einen unzumutbaren Aufwand bedeuten sollte, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Interessanter ist aber noch der Verweis auf die Auswirkungen auf die Gesamtfinanzierung des Semestertickets. Klassischerweise führte man Semestertickets dann ein, wenn es ansonsten nur wesentlich teurere Mobilitätsmöglichkeiten gibt, denn nur dann ist es gerechtfertigt, dass auch Studierende bezahlen müssen, die es überhaupt nicht wollen. Wenn aber die Stadt Leipzig eine Leistung, die eigentlich dafür da war, Menschen mit niedrigeren Einkommen bessere Teilhabe zu ermöglichen, gezielt den Studierenden entzieht, um die Finanzierung des Semestertickets zu erleichtern, dann driftet das Semesterticket in Richtung Selbstzweck, während die Studierenden zu bloßen Objekten degradiert werden, die dieses finanzieren sollen. Damit sie das auch tun, entzieht man ihnen notfalls an anderer Stelle Leistungen. Vielleicht auch ein Hinweis darauf, dass es nicht unbedingt vorteilhaft ist, dass in Leipzig im Gegensatz zu anderen Städten, in denen Studierendenvertretungen selbst solche Verträge abschließen, das Studentenwerk die Entscheidungen trifft. Eine echte Interessenvertretung wird hier schwierig, denn im Verwaltungsrat sitzt auch ein Vertreter der Stadt Leipzig. Und diese hat als Eigentümerin der Leipziger Verkehrsbetriebe zweifelsohne ein gewichtiges Eigeninteresse daran, ein Semesterticket finanziert zu sehen, wenn es sich als Großauftrag für eben dieses Verkehrsunternehmen darstellt.

Im Ergebnis auf jeden Fall ein Sachverhalt, mit dem sich der Stadtrat noch befassen sollte. Bis dahin bleibt aber noch die Möglichkeit, bis zum 30. September 2024 noch ein Bürgerbüro aufzusuchen und einen Leipzig-Pass zu beantragen, denn so lange gilt übergangsweise noch die bisherige einkommensabhängige Regelung für alle – auch für Studierende. Das ermöglicht zusätzliche Vergünstigungen und macht unabhängig vom Semesterticket. Bei einem Gültigkeitsbeginn ab September bleiben dafür immerhin noch 11 Monate. Vielleicht Zeit genug, um sich für zukünftig fairere Regelungen einzusetzen.

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Wer auf die Probleme mit dem neuen Semesterticket aufmerksam machen will, kann dies auch mit diesen Flyern tun:

nicht günstiger

kein Vorteil

mit Kindern benachteiligt

intransparent

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