makeratschool

In Deutschland darf man nichts mehr sagen ...


Lieber Kurt,
gestern war ich mit meiner Frau essen. Beim Griechen im Ort, mit schönem Garten unter Kastanien. Am Tisch hinter uns saßen 2 Männer, einer davon redete sehr viel und vor allem laut. Zumindest so laut, dass alle anderen Gäste im Garten problemlos mithören konnten. Zu den Gesprächsthemen komme ich dann noch ... Ein paar Tische weiter saß eine Familie mit ihrem Sohn. Der junge Mann hat das Down-Syndrom, ist ein netter und lustiger Bursche. Man kennt sich im Dorf und grüßt sich. Als die Familie das Lokal verlässt bzw. kurz danach macht der laute Idiot hinter mir eine Bemerkung: “... blabla ... ein Herz für Mongos ... blablabla”. Meine Frau anschauen, aufstehen und an den Nachbartisch treten hat ungefähr eine hundertstel Sekunde gedauert. Ja, ich war laut und nicht unbedingt freundlich. Aber, ich habe ihn nicht geohrfeigt (was ich heute Morgen sehr bedauere). Zuerst versuchte er zu behaupten, er hätte das nicht gesagt. Da er aber laut genug redet und es somit nicht zu überhören war, verlegte er sich auf eine andere Taktik: Man dürfe in Deutschland ja nichts mehr sagen, das werde immer schlimmer, sogar Böhmermann (keine Ahnung wo das herkam) hätte das auch schon gesagt. Dann habe ich das gemacht, was man so macht und habe ihn gefragt, was er außer Beschimpfungen und Beleidigungen nicht mehr sagen dürfe. Es wurde nicht spezifischer und ich habe mich wieder gesetzt. Im Hintergrund maulte er noch weiter vor sich hin, wiederholte den Satz tatsächlich noch mal und textete seinen Begleiter weiter zu. Wir haben gezahlt und sind gegangen, aber die Sache hat mich weiter beschäftigt. Vor allem, weil ich genau gestern Morgen die aktuelle Folge deines Podcasts gehört hatte und du mit Nikeata Thompson genau darüber gesprochen hast. Und zu Hause fiel es mir dann ein: Seine lautstarken Erzählungen rund 20 Minuten vor der Beleidigung gingen vor allem um deinen Podcast. Wie toll er den fände, wie super die Gäste sind (er hat alleine 5 Minuten lang Udo Lindenberg versucht nachzumachen, um darüber zu sprechen, wie du dich mit Jan Delay unterhalten hast) usw. usf. Offensichtlich hat er dir nicht richtig zugehört und ich hätte ihn einfach auf die aktuelle Folge hinweisen sollen. Verpasste Chance. Ich finde es wichtig, dass du dich klar positionierst und würde mir wünschen, dass noch viel mehr deiner Kolleginnen und Kollegen aus dem Unterhaltungsgeschäft endlich sich hinstellen und sagen, was Sache ist: Menschen, die sich beschweren, dass man in Deutschland nicht mehr alles sagen darf, tun dies vor allem, weil man sie jetzt endlich darauf hinweist, wenn sie menschenverachtende und beleidigende Dinge sagen. So einfach ist es.
Mach bitte so weiter. Danke.

Abschied, nicht weinend

Heute ist der erste Tag meiner letzten offiziellen Schulferien. Oder besser: Das letzte Mal “unterrichtsfreie Zeit”.
Irgendwann ist es genug und um einen weisen alten Lehrer zu zitieren: “No. Try not. Do… or do not. There is no try.” Ich habe es weiß Gott lange genug versucht. 20 Jahre und 2 Arbeitsgerichtsprozesse später muss ich feststellen:
Das Bildungssystem in D ist kaputt. Und zwar vollständig. Sowohl inhaltlich als auch formal. Auf allen Ebenen, von ganz unten (Schule) bis ganz oben (Ministerium).
Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Beitrag bei netzpolitik.org über die “Verschlusssache Prüfung” https://netzpolitik.org/2023/oeffentliches-geld-oeffentliches-gut-das-geschaeft-mit-der-pruefungsvorbereitung/
Darum habe ich gekündigt und werde das Schulsystem verlassen. Zumindest als “Lehrer”, der ich sowieso nie wirklich war. Ich habe unterrichtet, aber als Quereinsteiger ohne “brauchbare Qualifikation” (dazu bei Gelegenheit ein eigener Beitrag 😉 ).
Ganz vom Thema Bildung kann ich mich nicht befreien, dazu ist es zu wichtig. Deshalb wechsele ich in die Lehrerfortbildung, mit der Hoffnung, dort die Schäden beheben zu können, die Lehramtsstudium und vor allem Referendariat verursachen.
Grüße gehen raus an alle, die mich unterstützt und begleitet haben. Ich habe viele interessante Menschen kennengelernt, aber die, die wirklich etwas ändern wollen, sind einfach in der Minderheit. Die Zahl der Verweigerer und Verhinderer ist erdrückend und ein Land, das notwendige Reformen völlig entspannt um VIERZIG Jahre verschiebt, hat verloren.
Wie sagen meine Schüler_innen? “Tschau Kakao”!

Wie erklären sie jemand, der sie fragt, wie ein Makerspace funktioniert, wie ein Makerspace funktioniert?

Makerspaces sind in aller Munde und ein beliebtes Thema bei Schulträgern und Schulleitungen. Oft ist aber unklar, um was es dabei konkret geht und vor allem wie man so einen Makerspace plant, realisiert und dann im laufenden Schulbetrieb nutzt.

Im Medienzentrum Frankfurt haben wir deshalb genau das gemacht: Einen kleinen Makerspace geplant, realisiert und nutzen ihn jetzt im „Schulbetrieb“. Wir beschulen dort aber nicht Kinder und Jugendliche, sondern euch, die Menschen, die das an ihrer Schule gerne mal ausprobieren wollen und vielleicht sogar schon erste Anfragen aus dem Kollegium oder der Schulleitung hatten und sich bereits mit ersten Informationen versorgt haben.

Doch wie starten? Was gibt es zu beachten? So viele Fragen, auf die es fast immer eine Antwort gibt.

Genau dazu ist das makerLAB@medienzentrum da.

Für diese und viele andere Fragen bieten wir euch ein eigenes Format, den MAKERmonday. Jeden Montag treffen wir uns im makerLAB und tauschen uns aus. Ganz im Sinne der Maker Idee kommen Menschen mit unterschiedlichstem Wissen zusammen und beraten sich gegenseitig, berichten von ihren Erfahrungen oder sitzen einfach nur gemeinsam beim Basteln und Tüfteln.

Damit wollen wir euch den ersten Schritt Richtung „Maker Education“ so leicht wie möglich machen.
Immer montags um 14:30 im makerLAB@medienzentrum. Meldet euch an und kommt vorbei. https://app1.edoobox.com/de/mzffm?q=MAKER+Monday&edref=mzffm

Vier Treppen hoch bei Dämmerung

Du mußt die Leute in die Fresse knacken. Dann, wenn sie aufmerksam geworden sind,- Vielleicht nach einer Eisenstange packen,- Mußt du zu ihnen wie zu einem Kind Ganz schamlos fromm und ärmlich einfach reden Von Dingen, die du eben noch nicht wußtest. Und bittst sie um Verzeihung – einzeln jeden –, Daß du sie in die Fresse schlagen mußtest. Und wenn du siegst: so sollst du traurig gehen, Und sie nicht wiedersehn. (joachim ringelnatz)

Vier Treppen hoch bei Dämmerung

Du mußt die Leute in die Fresse knacken. Dann, wenn sie aufmerksam geworden sind,- Vielleicht nach einer Eisenstange packen,- Mußt du zu ihnen wie zu einem Kind Ganz schamlos fromm und ärmlich einfach reden Von Dingen, die du eben noch nicht wußtest. Und bittst sie um Verzeihung – einzeln jeden –, Daß du sie in die Fresse schlagen mußtest. Und wenn du siegst: so sollst du traurig gehen, Und sie nicht wiedersehn. (joachim ringelnatz)